US-Strategische Bitcoin-Reserve gerät ins Stocken: Streit zwischen Behörden über Zuständigkeit

Die Pläne der Trump-Regierung für eine US Strategic Bitcoin Reserve (SBR) stoßen laut Bloomberg auf ein unerwartetes Hindernis: Innerhalb der Bundesregierung gibt es einen Konflikt darüber, wie die Reserve rechtlich konstruiert werden soll und welche Bundesbehörde die Aufsicht über die Bitcoin-Bestände übernimmt. Im Zentrum steht die Frage, ob das Finanzministerium (Treasury) die rechtliche Befugnis hat, Bitcoin direkt zu verwalten. Präsident Donald Trump hatte in einer Executive Order vom März 2025 vorgesehen, die SBR beim Treasury anzusiedeln; andere Behörden sollten vor allem Aufgaben rund um Beschlagnahmungen unterstützen. Nach Angaben von Bloomberg trägt die Unsicherheit über Zuständigkeiten und Rechtsgrundlagen dazu bei, dass das Vorhaben nicht wie ursprünglich skizziert vorankommt. Nach dem Bericht prallen insbesondere Commerce Department und Treasury Department bei Struktur und Aufsicht aufeinander. Als Alternative für die federführende Rolle wird demnach das Handelsministerium (Commerce) diskutiert. Parallel prüft das Justizministerium (Department of Justice) gemeinsam mit den beteiligten Ressorts, welche Optionen rechtlich tragfähig sind. Für Marktteilnehmer ist der Ausgang mehr als ein Verwaltungsdetail: Je nachdem, wie die Governance am Ende ausfällt, kann das Einfluss darauf haben, wie die Bestände gesichert werden, wer über Halten oder Verkauf entscheidet und welche rechtlichen Einschränkungen langfristig gelten. Politisch zielt das SBR-Konzept darauf, Bitcoin in der staatlichen Finanzplanung neu zu verorten: weg vom reinen Beschlagnahmen-und-verwerten im Rahmen gerichtlicher Verfahren hin zu einem strategischen Reservevermögen. Das Weiße Haus stellt dies als Baustein dar, um die USA als stärkeres "Krypto-Zentrum" zu positionieren. Gegenüber Cointelegraph sagte Sprecherin Liz Huston, man prüfe weiterhin "die beste Struktur für eine Strategic Bitcoin Reserve und einen US Digital Asset Stockpile"; das Projekt laufe. Bitcoin-Bestände des US-Staates existieren faktisch bereits. Die USA halten derzeit 328.372 Bitcoin im Wert von 21,1 Mrd. US-Dollar und verfügen damit über die größte bekannte Bitcoin-Position eines Nationalstaats. In der Vergangenheit wurden Teilbestände im Rahmen gerichtlicher Anordnungen verkauft, was zeigt, dass staatliche Bitcoin-Bestände bislang stark von laufenden Rechtsprozessen geprägt sind. Während die Exekutive ihre internen Fragen klärt, arbeitet der Kongress an paralleler Gesetzgebung. Genannt werden der BITCOIN Act und der ARMA Act, beide im Mai eingebracht. Ziel ist es, über fünf Jahre insgesamt 1 Mio. Bitcoin mit budgetneutralen Strategien zu erwerben. Ein Top-Krypto-Berater des Weißen Hauses, Patrick Witt, bezeichnete ARMA als "Version 2" des BITCOIN Act und verwies darauf, dass das Weiße Haus die rechtlichen Implikationen einer Bitcoin-Reserve intensiv geprüft habe. Er sprach von einem "Durchbruch", um das Programm rechtlich solide aufzustellen und die Vermögenswerte abzusichern. ARMA sieht vor, Bitcoin mindestens 20 Jahre zu halten, es sei denn, Verkäufe dienen dem Abbau der US-Staatsverschuldung, die bei nahezu 40 Billionen US-Dollar liegt. Damit verbindet der Ansatz langfristige strategische Ziele mit einem klar definierten Liquiditätshebel zur Schuldentilgung. Wie eine solche Verkaufsbefugnis praktisch umgesetzt wird, dürfte wiederum davon abhängen, welche Behörde am Ende die Kontrolle hat und welche Rechtsgrundlage gilt. Trotz der gemeldeten Reibungen in Washington bleibt die Branche optimistisch. Befürworter sehen in einer formalen strategischen Reserve weniger eine reine Akkumulationsstory als eine institutionelle Aufwertung. Tim Kotzman, Host des Bitcoin Treasuries Podcast, sagte, die SBR stütze Bitcoin nicht nur, sondern "validiert eine völlig neue Kategorie der Kapitalallokation". Er zog Parallelen zur frühen Adoption durch börsennotierte Unternehmen und argumentierte, dass Nationalstaaten nun in eine ähnliche Richtung gingen. Laut früherer Cointelegraph-Berichterstattung halten 15 Nationalstaaten Bitcoin, wobei El Salvador als einziges Land hervorgehoben wird, das eine Bitcoin-Reserve formell etabliert hat und regelmäßig zukauft. Damit verschiebt sich die Debatte zunehmend von der Frage, ob eine Reserve kommen soll, hin zu ihrer Ausgestaltung: federführende Behörde, rechtliche Kompetenz, Schutzmechanismen und die Bedingungen für spätere Liquidität. Entscheidend wird sein, ob die interministerielle Prüfung die Zuständigkeits- und Rechtsfragen zügig klärt und ob der ARMA-Rahmen mit seinen Langfrist-Haltefristen und der Schuldenabbau-Option im Kongress zu einer verbindlichen Struktur wird, die die praktische Kontrolle über die Reserve eindeutig regelt.