Trump-Familienprojekt WLFI schlägt Token-Freigabe über vier Jahre vor

Autor | Azuma (@azuma_eth) Am Abend des 15. April hat World Liberty Financial (WLFI), ein Krypto-Projekt, das zuletzt wiederholt für öffentliche Kontroversen sorgte, im Community-Forum einen Vorschlag zur Freigabe (Unlock) von Anteilen für "Early Supporter, Gründer, Teammitglieder und Partner" veröffentlicht. Die Diskussion um WLFI dürfte damit erneut an Fahrt aufnehmen. Odaily-Hinweis: Hintergründe zur jüngsten Kontroverse finden sich in "Sun Ge ‚Defends His Rights’ Against the Trump Family—WLFI Is the Real Crypto Harvesting Machine". Rückblick: Public-Sales, Volumen und bisherige Unlocks WLFI hat ein Gesamtangebot von 100 Milliarden Token und führte bislang zwei öffentliche Presales durch. Die erste Runde startete im Oktober 2024 zu 0,015 US-Dollar pro Token. Angeboten wurden 20 Milliarden Token, entsprechend 20% des Gesamtangebots. Der Verkauf verlief zunächst schleppend, da der Markt von FUD geprägt war. Nach dem Start von Trumps eigenem Token nahm das Interesse spürbar zu. Am 20. Januar 2025 waren die 20 Milliarden Token ausverkauft; eingesammelt wurden 300 Mio. US-Dollar. Unmittelbar danach folgte die zweite Presale-Runde: 0,05 US-Dollar pro Token bei 5 Milliarden Token (5% des Gesamtangebots). Diese Runde war am 14. März 2025 ausverkauft und brachte 250 Mio. US-Dollar. Zusätzlich zu den öffentlichen Runden sieht das offizielle Tokenomics-Modell vor, dass zuvor 8,893 Milliarden Token (8,893% des Angebots) an strategische Investoren und institutionelle Teilnehmer zu 0,10 US-Dollar pro Token verkauft wurden. In Summe wurden damit 33,893 Milliarden WLFI im Rahmen von Presales platziert, also 33,893% des Gesamtangebots. Am 1. September 2025 ging WLFI offiziell live. Presale-Teilnehmer erhielten den ersten Unlock: Wer an beiden öffentlichen Presales teilgenommen hatte, konnte nach Unterzeichnung einer Unlock-Vereinbarung und Abschluss der Aktivierung 20% seiner Token freischalten. Die verbleibenden 80% sollten über zukünftige Governance-Entscheidungen freigegeben werden. Zuteilungen für institutionelle Investoren blieben gesperrt. Nach dem Start wurde WLFI am Markt stark beworben; der On-Chain-Preis lag zeitweise über 0,45 US-Dollar. Auf kleineren Börsen kam es kurzfristig sogar zu Ausschlägen über 1 US-Dollar. In den Folgemonaten gab der Kurs von über 0,20 US-Dollar schrittweise nach und liegt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei rund 0,08 US-Dollar. Für Käufer aus der ersten Presale-Runde (0,015 US-Dollar) bedeutet das: Selbst bei nur 20% freigeschalteten Token haben viele ihren Einsatz in den vergangenen Monaten bereits wieder eingespielt oder Gewinn realisiert, sofern rechtzeitig verkauft wurde. Teilnehmer der zweiten Runde (0,05 US-Dollar) liegen dagegen in vielen Fällen noch unter dem Einstand, sofern sie nicht in der Anfangsphase zu deutlich höheren Kursen verkauft haben. Lange blieb die Stimmung relativ ruhig: Mit einem späteren Unlock der restlichen 80% schien für viele weiterhin ein Gewinn möglich. Mit dem fortgesetzten Kursrückgang wuchs jedoch der Druck auf WLFI, weitere Freigaben zu ermöglichen. Dass nun ausgerechnet die Unlock-Regeln selbst zum Streitpunkt werden könnten, hatten viele nicht erwartet. Der neue Unlock-Plan: Vier Jahre für Presale-Teilnehmer Laut dem im Forum veröffentlichten Vorschlag sollen die verbleibenden gesperrten WLFI-Anteile von Early Supportern (Presale-Nutzer), Gründern, Team, Beratern und Partnern wie folgt behandelt werden. Für Presale-Nutzer (derzeit 17.043.666.558 WLFI; die Zahl kann abweichen, da nicht alle ihre Token bereits beansprucht haben) ist vorgesehen: zunächst zwei Jahre Lock-up, danach zwei Jahre lineares Vesting. Die vollständige Freigabe würde damit insgesamt vier Jahre dauern. Für Gründer, Teammitglieder, Berater und Partner (45.238.585.647 WLFI) sieht der Vorschlag zusätzlich eine Angebotsreduktion vor: 10% der gesperrten Token, also 4.523.858.565 WLFI, sollen dauerhaft verbrannt und aus dem Gesamtangebot entfernt werden. Die verbleibenden 90% (40.714.727.082 WLFI) sollen zwei Jahre gesperrt bleiben und anschließend über drei Jahre linear freigeschaltet werden. Bis zur vollständigen Freigabe vergingen damit fünf Jahre. Der Kern der Kritik liegt auf der Hand: Viele Investoren wurden vom Namen der Trump-Familie angezogen. Nun sollen sie weitere vier Jahre auf Token warten – zu einem Zeitpunkt, an dem Trumps aktuelle Amtszeit als Präsident längst beendet wäre. Dazu kommt die Unsicherheit, welchen Stellenwert das Projekt dann noch hat. Bemerkenswert ist auch eine Passage, mit der der Vorschlag den dezentralen Anspruch unterstreichen will: Wer dem Zuteilungsplan nicht ausdrücklich zustimmt, dessen Token sollen auf unbestimmte Zeit gesperrt bleiben. Sinngemäß lautet die Botschaft: Zustimmung oder ewiger Lock. Im Vorfeld erwarteter Gegenwehr aus der Community fiel zudem auf, dass unter dem offiziellen Governance-Post zahlreiche auffällig gleichförmige Kommentare erschienen, vielfach beginnend mit "YES" und in ihrer Anmutung automatisiert. Zwischen diesen Beiträgen stachen vereinzelte, offensichtlich echte Reaktionen hervor – darunter ein Kommentar mit der Aussage: "Damn it, I'm going to get these bastards locked up!" Mögliche Motive: Warum 10% Burn? Abschließend bleibt Raum für Spekulationen über die Beweggründe des WLFI-Teams. Immer wieder kommt die Frage auf, warum Gründer und Team freiwillig 10% der Token verbrennen wollen. Denkbar sind zwei Lesarten: Entweder handelt es sich um ein Signal besonderer Rücksichtnahme und Selbstverzicht zugunsten der Community. Oder der Burn ist vor allem Symbolpolitik, um die Stimmung zu beruhigen ("Seht her, wie viel wir aufgeben"), zumal eine Zuteilung, die erst nach Jahren vollständig frei wird, kurzfristig nur begrenzten Wert entfaltet. Aus dieser Perspektive wäre der eigentliche Nutzen eines solchen Modells, die aktuelle Verteilung und Sperrlogik möglichst lange zu erhalten. Offiziell registrierte Bestände erzählen dabei nicht immer die ganze Geschichte; Tokenomics-Strukturen können auch verdeckte, anders benannte Zuteilungen ermöglichen. Das bleibt persönliche Spekulation. Würde man nach der wahrscheinlichsten Variante fragen, wäre es – aus Sicht des Autors – die erste.