Südkorea muss Krypto-Steuer nach Petition mit mehr als 50.000 Unterschriften im Parlament prüfen

In Südkorea zwingt eine Bürgerpetition die Politik zur erneuten Befassung mit der geplanten Besteuerung von Kryptowährungen. Mehr als 52.000 Menschen haben den Antrag unterzeichnet – damit wurde die Schwelle überschritten, ab der die Nationalversammlung das Thema formell prüfen muss. Die Marke von 50.000 Unterschriften wurde am 21. Mai 2026 erreicht, rund acht Tage nach Start der Petition. Nach dem Petitionssystem des Landes erfolgt nun eine verpflichtende Weiterleitung an den Finanz- und Wirtschaftsplanungsausschuss. Im Kern geht es um eine Abgabe von 22% auf Krypto-Gewinne, aufgeteilt in 20% nationale Einkommensteuer und 2% Kommunalsteuer. Greifen soll sie erst bei jährlichen Gewinnen von mehr als 2,5 Mio. Koreanischen Won – umgerechnet je nach Wechselkurs etwa 1.650 bis 2.200 US-Dollar. Genau diese Freigrenze steht im Zentrum der Kritik: Bei klassischen Finanzanlagen wie Aktien liegt die Steuerfreigrenze laut Petition bei rund 50 Mio. Won und damit etwa 20-mal höher. Kritiker sehen darin eine Ungleichbehandlung, bei der Aktienanleger deutlich höhere Gewinne steuerfrei realisieren können als etwa Bitcoin-Trader. Neben der Schwelle monieren die Unterzeichner mangelnde Anlegerschutzstandards. Die Argumentation: Der Staat wolle Kryptowährungen wie eine etablierte Anlageklasse hoch besteuern, während Regeln und Schutzmechanismen gegen Betrug, Börsenpleiten und Marktmanipulation im Krypto-Segment noch nicht mit denen des Aktienmarkts vergleichbar seien. Die Steuer ist zudem seit Jahren ein politisches Dauerthema. Erstmals wurde sie um 2022 herum vorgeschlagen, der Starttermin wurde mehrfach verschoben. Der aktuelle Zeitplan sieht eine Einführung im Januar 2027 vor. Südkorea zählt zu den weltweit aktivsten Märkten für privaten Kryptohandel; der politische Widerstand gegen eine zusätzliche Belastung dieser Anlegergruppe hat in der Vergangenheit wiederholt zu Verzögerungen geführt. Die jüngste Eskalation geht über die Petition hinaus: Die oppositionelle People Power Party (PPP) hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der darauf abzielt, sämtliche Regelungen zur Besteuerung von Digital-Asset-Einkünften dauerhaft abzuschaffen. Das wäre mehr als eine Anpassung oder erneute Verschiebung. Ob der Vorstoß eine Mehrheit findet, ist offen, verändert aber die Verhandlungspositionen. Regierungsstellen haben bislang signalisiert, trotz Gegenwinds an der Einführung festhalten zu wollen. Durch die verpflichtende Ausschussbefassung wird aus einem Vorhaben der Exekutive nun ein strukturierter parlamentarischer Prüfprozess. Für Anleger bleibt die Lage damit unsicher. Südkorea ist für Besonderheiten wie den "Kimchi-Premium" bekannt – Preisaufschläge auf koreanischen Handelsplätzen gegenüber globalen Börsen, ausgelöst durch starke Nachfrage im Inland. Eine Besteuerung von 22% ab einer vergleichsweise niedrigen Freigrenze könnte Handel und Risikobereitschaft dämpfen, insbesondere bei jüngeren Investoren, die angesichts hoher Immobilienpreise vermehrt nach alternativen Wegen des Vermögensaufbaus suchen. Gleichzeitig wächst die Wahrscheinlichkeit weiterer Verzögerungen, da politische Kosten steigen und der Widerstand parteipolitisch zunehmend institutionalisiert wird. Sollte der PPP-Vorstoß an Fahrt gewinnen, könnte das gesamte Steuermodell noch vor Inkrafttreten wieder fallen. Auch international wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt: Südkorea gehört zu den Ländern mit den höchsten Handelsvolumina im Retail-Kryptosektor, Entscheidungen dort wirken oft auf die Stimmung in Asien. Die Ausschussprüfung legt kein Ergebnis fest, doch mehr als 52.000 Unterschriften binnen acht Tagen erhöhen den politischen Druck spürbar – insbesondere mit Blick auf den kommenden Parlamentswahlzyklus und die Frage, ob Krypto-Regulierung zu einem echten Wahlkampfthema wird.