Morgan-Stanley-CFO sieht Tokenisierung als Schlüsselfaktor für das Wealth Management der Zukunft
Morgan Stanley richtet den Blick stärker auf Tokenisierung und eine blockchainbasierte Infrastruktur. Das Institut positioniert "Onchain"-Finanzprozesse als möglichen nächsten Entwicklungsschritt im Umgang mit vermögenden Kunden. In der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des ersten Quartals skizzierten Führungskräfte ein Szenario, in dem Vermögenswerte und Verbindlichkeiten deutlich reibungsloser über digitale Schienen transferiert werden können. "Wie denken Sie über eine tokenisierte Welt? Wie denken Sie über eine Onchain-Welt, in der Sie Vermögenswerte schnell bewegen können – so wie Sie auch diese Verbindlichkeiten schnell bewegen könnten?", sagte CFO Sharon Yeshaya und verwies damit auf eine mögliche Abkehr von klassischen, kontobasierten Strukturen.
Die Aussagen haben besonderes Gewicht, weil Morgan Stanleys Wealth-Sparte Vermögen in Billionenhöhe verwaltet und als zentraler Wachstumstreiber des Konzerns gilt. Änderungen daran, wie Vermögenswerte innerhalb dieses Systems bewegt, verliehen oder im Rahmen der Beratung eingesetzt werden, könnten weitreichende Folgen für die gesamte Finanzbranche haben.
Morgan Stanley verortet Tokenisierung dabei ausdrücklich in der Kernstrategie des Wealth Managements – nicht als isoliertes Krypto-Projekt. Das Management stellte Bezüge zu Beratung, Kreditgeschäft und Cash-Management her und deutete an, dass eine digitale Infrastruktur sowohl die Portfoliosteuerung als auch den Zugang der Kunden zu Liquidität verändern könnte. "Wir wären da, um unterschiedliche Produkttypen auf der Aktivseite anzubieten", sagte Yeshaya. Gleichzeitig prüfe das Haus, "welche Dinge es auf der Kreditseite für Onchain geben könnte … und wie man all diese digitalen Vermögenswerte bewegt und über sie nachdenkt".
Die Einordnung passt zu einem breiteren Branchentrend: Große Banken setzen zunehmend auf Blockchain-Technologie, um die finanzielle Grundinfrastruktur zu modernisieren, statt sie grundsätzlich zu ersetzen. Bei Morgan Stanley gilt der Ansatz als kontrolliert, entwickelt sich aber zügig weiter. Kürzlich startete das Institut über eine Partnerschaft mit Zero Hash ein Digital-Asset-Pilotprojekt, das ausgewählten E*Trade-Kunden den Kauf und Verkauf großer Kryptowährungen ermöglicht. Der begrenzte Umfang soll einen gesteuerten Markteintritt erlauben, während die Bank die Nachfrage ihrer Kunden prüft.
Zudem hat Morgan Stanley die Führungsstruktur in diesem Bereich ausgebaut und Amy Oldenburg zu Jahresbeginn zur Leiterin Digital Assets ernannt. Das Institut hat außerdem Schritte unternommen, Bitcoin-Exposure über den eigenen Spot-Bitcoin-ETF MSBT anzubieten, der seit seinem Start vor einer Woche um 8% gestiegen ist. Trotz dieser Initiativen bleiben digitale Assets derzeit ein kleiner Teil des Geschäfts. Der Schwerpunkt liegt erkennbar auf der langfristigen Infrastruktur. "Im beratungsgetriebenen Modell gibt es viel kreativen Raum", sagte Yeshaya.