Minnesota erlaubt Banken und Credit Unions Krypto-Verwahrung
Minnesotas Banken und Credit Unions sollen beim Aufbau der Infrastruktur für digitale Vermögenswerte nicht den Anschluss verlieren: Ein neues Gesetz ermöglicht es staatlich regulierten Geschäftsbanken und Genossenschaftsbanken (Credit Unions), Verwahrleistungen für Kryptowährungen anzubieten. Ziel ist es, die Abwanderung von Einlagen zu Krypto-Börsen und Digital-Asset-Plattformen zu bremsen und damit Kapital in der lokalen Wirtschaft zu halten, sagten eine Abgeordnete und eine Bankvertreterin gegenüber CoinDesk.
Rep. Bernadette "Bernie" Perryman (R–St. Augusta), die den Entwurf eingebracht hatte, verwies auf zunehmende "deposit flight" aus lokalen Instituten. Flössen Gelder zu Börsen außerhalb des Bundesstaats ab, stünden sie vor Ort seltener für Mittelstandsfinanzierungen, Hypotheken und Projekte der Gemeindeentwicklung zur Verfügung.
Aus Sicht der Institute gehe es auch um Wettbewerbsfähigkeit, sagte Meggan Schwirtz, Chief Experience Officer der St. Cloud Financial Credit Union. Die großen Häuser und Wall-Street-Firmen positionierten sich aggressiv rund um Digital-Asset-Infrastruktur, weil sie langfristige Auswirkungen auf Zahlungsverkehr, Abwicklung, Verwahrung und den künftigen Wertetransfer sähen. Lokale Institute könnten diesen Wandel nicht ignorieren, wenn sie für jüngere Kundengenerationen relevant bleiben wollten.
Wall-Street-Konzerne bauen ihre Krypto-Exponierung zuletzt verstärkt über Stablecoins und Tokenisierung aus. Ein aktueller Jefferies-Bericht kommt zwar zu dem Schluss, dass Stablecoins kurzfristig kaum einen plötzlichen Run auf US-Bankeneinlagen auslösen dürften, mittelfristig aber die Erträge der Banken schmälern könnten. Jefferies schätzt, dass die Verbreitung privat ausgegebener digitaler Dollar innerhalb von fünf Jahren zu einem Rückgang der Kerneinlagen um 3% bis 5% führen und die durchschnittlichen Bankerträge um rund 3% drücken könnte.
Tokenisierung und Stablecoins prägten auch die Agenda der Consensus Miami in diesem Jahr. Joseph Lubin, CEO und Gründer, sagte: "We're moving into a world where essentially the entire economy is going to be tokenized." Tim Queenan, SVP Marketing bei Circle, erklärte, Institute prüften zunehmend, wie sich zentrale Finanzinfrastruktur onchain abbilden lasse; Stablecoins seien im Zahlungsverkehr bereits so etabliert, dass viele Nutzer sich nicht mehr als Krypto-Nutzer wahrnähmen.
Minnesota ist nach Angaben aus dem Umfeld der Gesetzgebung der erste Bundesstaat im Mittleren Westen, der einen ausdrücklich einheitlichen Rahmen schafft, der sowohl staatlich konzessionierten Geschäftsbanken als auch Credit Unions Krypto-Verwahrung erlaubt. Gouverneur Tim Walz unterzeichnete das Gesetz in der vergangenen Woche. Nach der Verabschiedung mit breiter parteiübergreifender Mehrheit soll es am 1. August vollständig in Kraft treten.
Ryan Smith, Chief Advocacy Officer beim Minnesota Credit Union Network, betonte, dass damit nicht alle Fragen der Regulierung geklärt seien. Institute, die solche Dienste anbieten, müssten eine Vielzahl bundesrechtlicher Vorgaben erfüllen, darunter AML-Programme, die Abgabe von Suspicious Activity Reports (SARs) sowie eine vertiefte KYC-Prüfung.
Digitale Vermögenswerte bleiben weiterhin außerhalb der Einlagensicherung von FDIC oder NCUA. Lokale Anbieter arbeiten daher an privaten Absicherungslösungen. Schwirtz bestätigte, dass St. Cloud Financial Credit Union eine strategische Underwriting-Partnerschaft mit einer von Lloyd's of London unterstützten Versicherungslösung abgeschlossen habe, die speziell auf Verwahrprozesse zugeschnitten sei.
Der demokratische Abgeordnete Steve Elkins (DFL) bezeichnete das Gesetz als wichtigen Meilenstein und als spürbaren Wandel im Umgang mit digitalen Vermögenswerten. Die Community-Banken und Credit Unions hätten diesen Service als Teil eines umfassenden Finanzangebots für Kunden und Mitglieder anbieten wollen, sagte Elkins, einer von drei Autoren des Gesetzentwurfs HF 3709, gegenüber CoinDesk.
Zeitgleich verschärft Minnesota die Regeln für Krypto-Geldautomaten und -Kioske. Walz unterzeichnete zudem ein parteiübergreifendes Gesetz (SF 3868), das ein landesweites Verbot dieser Automaten ab dem 1. August vorsieht. Einer der größten Bitcoin-ATM-Anbieter in den USA, Bitcoin Depot, meldete am Montag Insolvenz an.