Nach rsETH-Hack: Drei Szenarien für KelpDAO – Stresstest für Reputation und Aaves Risikopuffer

Laut Mars Finance hat 0xngmi, Gründer von DefiLlama, am 20. April drei mögliche Vorgehensweisen skizziert, wie KelpDAO auf den rsETH-Hack reagieren könnte. Jede Option bringt gravierende Nachteile mit sich. Die Entscheidung gilt als Belastungsprobe für KelpDAOs Glaubwürdigkeit und für Aaves Fähigkeit, Verluste im System zu tragen. Szenario 1: Verluste auf alle Nutzer verteilen KelpDAO würde die Guthaben aller rsETH-Halter pauschal um 18,5% kürzen, um die Schäden zu decken. Derzeit sind Aave-weit rund 666.000 rsETH als Sicherheit hinterlegt, vor allem hoch gehebelt auf Ethereum-Mainnet und den L2s (angenommen mit 95% Liquidations-LTV). Bei einer Sozialisierung der Verluste würden die Mainnet-Positionen vollständig ausgelöscht, was rund 216 Mio. US-Dollar an faulen Krediten erzeugen würde. Das Umbrella-Protokoll könnte davon 55 Mio. US-Dollar abdecken, Aaves Treasury weitere 85 Mio. US-Dollar. Es bliebe eine Lücke von etwa 76 Mio. US-Dollar. KelpDAO könnte diese über Kredite oder den Verkauf von AAVE-Token schließen (aktuelle Marktkapitalisierung ca. 510 Mio. US-Dollar). Dennoch würde dies Aave erheblich belasten, während alle Nutzer gemeinsam den Verlust tragen. Szenario 2: L2-rsETH-Halter faktisch fallen lassen KelpDAO würde nur rsETH auf dem Mainnet schützen und L2-rsETH als wertlos behandeln. Auf Aaves L2s sind aktuell rsETH im Gegenwert von etwa 359 Mio. US-Dollar (auf Basis der aktuellen Oracle-Preise) als Kollateral hinterlegt. Bei maximaler Hebelung könnte dies rund 341 Mio. US-Dollar an bad debt verursachen, ohne jegliche Umbrella-Deckung. Aave müsste sich dann ausschließlich auf die Treasury oder zusätzliche Finanzierung stützen, um Teile der Märkte zu stabilisieren – voraussichtlich unter Aufgabe der am stärksten betroffenen Chains Arbitrum, Mantle und Base, was deren Kollaps auslösen könnte. Der direkte Effekt auf Aave Mainnet wäre geringer, der Reputationsschaden für L2-Ökosysteme jedoch massiv, mit Potenzial für Kettenreaktionen. Szenario 3: Rückerstattung nur an Pre-Hack-Halter per Snapshot – technisch kaum umsetzbar KelpDAO würde versuchen, ausschließlich diejenigen vollständig zu entschädigen, die rsETH zum Zeitpunkt des Hacks hielten, basierend auf einem Snapshot vor dem Angriff. Spätere Käufer oder Empfänger müssten ihre Verluste selbst tragen. In der Praxis ist diese Abgrenzung kaum möglich: Seit dem Angriff sind Mittel breit geflossen, und DeFi-Protokolle funktionieren als Liquiditätspools, in denen sich Einzahlungen nicht sauber in "Chargen" trennen lassen. Der Angreifer lieh sich 124 Mio. US-Dollar auf Aave Mainnet und 18 Mio. US-Dollar auf Arbitrum; nach Umbrella-Abdeckung verbleiben rund 91 Mio. US-Dollar an Verlusten. Zwar würde dieses Vorgehen die systemische Ausbreitung theoretisch begrenzen, es gilt aber als praktisch nicht durchführbar und dürfte rechtliche sowie community-interne Konflikte auslösen.