US-Justiz klagt 10 Personen wegen Krypto-Pump-and-Dump mit Market Makern an
Das US-Justizministerium (DOJ) hat zehn Führungskräfte und Mitarbeitende aus vier Krypto-"Market-Making"-Firmen wegen angeblich betrügerischer Kampagnen angeklagt. Laut DOJ sollten damit Handelsvolumen und Kurse ausgewählter Digital-Assets künstlich nach oben getrieben werden. Betroffen sind Beschäftigte der Unternehmen Gotbit, Vortex, Antier und Contrarian.
Drei Beschuldigte wurden in Singapur festgenommen und in die USA ausgeliefert. Sie erschienen am Montag erstmals vor einem Bundesgericht in Oakland. Zwei der drei sollen CEO-Positionen in den genannten Firmen bekleidet haben.
Auslöser der Vorwürfe ist eine verdeckte Operation von FBI und IRS-CI, die im Mai 2024 startete und sich gegen Wash Trading richtete. Dabei handele es sich um Geschäfte, bei denen eine Partei faktisch mit sich selbst handelt, um künstliches Volumen und scheinbare Liquidität zu erzeugen. Nach Angaben der Behörden legte das FBI eigens Krypto-Token auf und beobachtete anschließend, wie die Firmen in die Falle liefen und künstliche Volumen- und Preisspitzen organisierten.
Die Anklagen verteilen sich auf drei getrennte Anklageschriften. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, nicht nur gemeinsam Volumen und Preise hochgeschraubt, sondern anschließend Token zu überhöhten Kursen an ahnungslose Anleger verkauft zu haben. Die Ermittler sprechen von klassischen Pump-and-Dump-Strukturen: Zunächst wird ein Token durch Hype und Marktmanipulation nach oben getrieben, anschließend werden Bestände am Hoch abgeladen. Laut Mitteilung seien auch Käufer außerhalb der USA geschädigt worden.
Neben den drei Ausgelieferten haben zwei Mitangeklagte bereits Schuld eingestanden und Urteile von US-Bezirksrichterin Araceli Martínez-Olguín erhalten. Die Behörden haben bislang Kryptowährungen im Wert von mehr als 1 Mio. US-Dollar beschlagnahmt.
Marktfolgen und Einordnung
Es ist nicht das erste Vorgehen des DOJ gegen Wash-Trading-Strukturen. Im Oktober 2024 wurden in Boston 18 Personen und Organisationen wegen breit angelegter Marktmanipulation und Betrugs in Kryptomärkten angeklagt. Damals betrafen die Vorwürfe auch die Führung von vier Krypto-Unternehmen, vier Market Maker (ZM Quant, CLS Global, MyTrade und Gotbit) sowie Mitarbeitende dieser Firmen.
Künstliches Volumen und konstruierte Liquidität gelten seit Jahren als strukturelles Merkmal vieler Altcoin-Märkte. Die aktuellen Vorwürfe deuten darauf hin, dass die US-Justiz solche Muster ähnlich wie klassische Wertpapierdelikte bewertet und nicht als Eigenheit einer neuen Anlageklasse.
Für Trader erhöht sich damit die Bedeutung klassischer Warnsignale: Hohe On-Chain- oder Börsenvolumina bei illiquiden Token gelten zunehmend als rotes Tuch, vor allem wenn Market-Making-Vereinbarungen nur dünn dokumentiert sind. Marktteilnehmer rechnen mit weiterem Durchgreifen, was rechtliche Risikoprämien bei Small-Cap-Token erhöhen, Market Maker stärker unter Druck setzen und kurzfristig zwar "sauberere", aber tendenziell dünnere Liquidität bedeuten könnte. Sollten die Behörden nachhaltig erfolgreich sein, könnte das hochvolatile "Casino"-Segment schrumpfen, während regulierungskonforme Handelsplätze und Assets mittelfristig von einem Glaubwürdigkeitsaufschlag profitieren.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notiert Bitcoin (BTC) im Bereich der oberen 68.000 US-Dollar. Quelle: BTCUSD auf TradingView. Titelbild: Perplexity; Chart: TradingView.