DeFi-TVL fällt nach KelpDAO-Exploit binnen 48 Stunden um 13,21 Mrd. US-Dollar

Nach dem Exploit des KelpDAO-Protokolls am Wochenende verzeichnet der DeFi-Sektor deutliche Mittelabflüsse. Die führende DeFi-Lending-Plattform Aave verlor in den vergangenen 48 Stunden Einlagen in Höhe von 8,45 Mrd. US-Dollar. In der Folge sank der im DeFi-Markt gebundene Gesamtwert (Total Value Locked, TVL) um 13,21 Mrd. US-Dollar. TVL bezeichnet den in DeFi-Protokollen wie Aave hinterlegten Gesamtwert an Krypto-Assets in US-Dollar und gilt als gängiger Indikator für Liquidität und Marktaktivität. Laut DefiLlama fiel der DeFi-TVL von 99,497 Mrd. auf 86,286 Mrd. US-Dollar. Der TVL von Aave ging im gleichen Zeitraum um 8,45 Mrd. auf 17,947 Mrd. US-Dollar zurück. Daten auf Protokollebene zeigen zweistellige prozentuale Rückgänge auf mehreren Plattformen, darunter Euler, Sentora und Aave. Die Abflüsse konzentrierten sich auf Lending-, Restaking- und Yield-Strategien, die mit dem betroffenen Collateral verknüpft waren. Auslöser war ein Exploit der Kelp-Bridge über 292 Mio. US-Dollar. Angreifer konnten gestohlene rsETH, ein im DeFi-Ökosystem breit genutztes Liquid-Restaking-Token, als Sicherheit verwenden und damit Kredite auf Lending-Plattformen aufnehmen. Da diese Token nicht durch legitime Sicherheiten gedeckt waren, erhöhten Kredite gegen diese Bestände das Risiko von Deckungslücken für Kreditgeber. Vergleichbar wäre es, bei einer Bank Falschgeld einzuzahlen und darauf basierend Kredite zu ziehen, wodurch am Ende Forderungsausfälle entstehen. Protokolle reagierten mit dem Einfrieren betroffener Märkte. Gleichzeitig zogen Nutzer aus Sorge Gelder ab, was den Rückgang des TVL zusätzlich verstärkte. Die Tokenkurse reagierten weniger stark als die Einlagen. Der AAVE-Token liegt nach CoinDesk-Marktdaten in 24 Stunden rund 2,5% im Minus. UNI und LINK gaben im selben Zeitraum um weniger als 1% nach. Peter Chung, Research-Leiter bei Presto Research, betonte in einer Notiz, der Vorfall unterstreiche Risiken in der Crosschain-Infrastruktur, insbesondere bei Verifikationssystemen von Bridges. Erste Analysen deuteten darauf hin, dass die Ursache eher in der Verifikationsschicht als in den Smart Contracts selbst liege. Zudem zeige der Fall, wie eng DeFi-Protokolle vernetzt sind und Schocks über den ursprünglichen Ausfallpunkt hinaus weitergeben können, etwa durch Abhebungswellen und Markt-Freeze-Maßnahmen auch auf Plattformen ohne direkte Betroffenheit.