Brasilien verschiebt Konsultation zur Krypto-Besteuerung auf 2027 – Wahlkampf rückt Reformen in den Hintergrund
Brasilien legt die geplante öffentliche Konsultation zur Besteuerung von Kryptowährungen vorerst auf Eis und verschiebt den Prozess voraussichtlich auf 2027. Hintergrund sind die Vorbereitungen auf die Präsidentschaftswahl im Oktober 2026 und der Wunsch der Regierung, in der heißen Phase keine politisch heiklen Steuerdebatten zu eröffnen, wie Reuters berichtet.
Finanzminister Dario Durigan, der zuletzt Fernando Haddad abgelöst hat, will demnach in der Wahlperiode kein politisches Kapital für umstrittene Steuermaßnahmen einsetzen. Die Gespräche sollten ursprünglich noch in diesem Jahr starten, gelten intern aber weiterhin als Priorität. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva habe Durigan in dieser Phase auf wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität verpflichtet. Gesetzgeberisch sollen andere Themen vorangetrieben werden, darunter Regeln für das Finanzsystem sowie Investitionen in Rechenzentren.
Die Verschiebung erfolgt nach mehreren regulatorischen Weichenstellungen. Im Juni 2025 führte Brasilien eine einheitliche Steuer von 17,5% auf Krypto-Kapitalgewinne ein. Damit entfiel die bisherige Ausnahme, wonach Verkäufe von weniger als 35.000 brasilianischen Real pro Monat steuerfrei waren. Zudem stufte die Banco Central do Brasil im November 2025 Stablecoin-Transaktionen als Devisengeschäfte ein. Dadurch fallen Krypto-Dienstleister unter bestehende Finanzmarktregeln, einschließlich Genehmigungspflichten. Notenbankchef Gabriel Galipolo zufolge machen Stablecoins rund 90% der inländischen Krypto-Flüsse aus, was die steuerliche Behandlung und Überwachung von Transaktionen unmittelbar beeinflusst.
Trotz der politischen Unsicherheit nimmt die Krypto-Nutzung weiter zu – sowohl im Privatkundengeschäft als auch institutionell. Chainalysis führt Brasilien weltweit auf Rang fünf und in Lateinamerika auf Platz eins. Zwischen Juli 2024 und Juni 2025 verzeichnete das Land Krypto-Zuflüsse von 318,8 Mrd. US-Dollar. In der Region stieg die Adoption 2025 um 63%. Die große, urban geprägte Bevölkerung stützt den Trend zu digitalen Vermögenswerten, auch wenn die vertagte Konsultation die steuerliche Einordnung vieler Krypto-Transaktionen bis nach dem Wahlzyklus offen lässt.