Bitfire erwartet Verlust von bis zu 245 Mio. HK$ und setzt in Hongkong weiter auf Stablecoins
Bitfire hält trotz deutlich verschlechterter Zahlen an seiner Stablecoin-Strategie fest. Der in Hongkong ansässige Kryptoanbieter sieht darin einen zentralen Baustein für das Geschäft mit institutionellen Kunden.
Am 21. Mai veröffentlichte Bitfire eine Gewinnwarnung. Für die sechs Monate bis März 2026 rechnet das Unternehmen mit einem Nettoverlust von bis zu 245 Mio. HK$ (rund 31,3 Mio. US$). Im Vorjahreszeitraum lag das Minus bei 12,3 Mio. HK$.
Als Haupttreiber nennt Bitfire einen Mark-to-Market-Rückgang von 152 Mio. HK$ bei gehaltenen Kryptoassets. Zusätzlich belasteten höhere Ausgaben für professionelle Dienstleistungen, den Ausbau von Kundenfähigkeiten sowie Forschung und Entwicklung.
CEO Livio Weng bezeichnet Stablecoins öffentlich als "Kernsäule" des Web3-Ökosystems in Hongkong. Bitfire will nach eigenen Angaben vorrangig regelkonforme Stablecoins aus Hongkong in die eigenen Clearing- und Settlement-Systeme integrieren. Das Unternehmen positioniert sich damit als Zugangskanal für institutionelle Stablecoin-Nutzung und nicht als Emittent.
Seit einer strategischen Neuausrichtung im August 2025 habe Bitfire hunderte institutionelle und ultrahochvermögende Kunden gewonnen; viele hätten gezielt Stablecoin-Dienstleistungen nachgefragt.
Der regulatorische Rahmen könnte die Nachfrage zusätzlich stützen. Die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) vergab im April 2026 die ersten Stablecoin-Emittentenlizenzen, jedoch ausschließlich an HSBC und Standard Chartered. Die enge Vergabe begrenzt die Zahl der Emittenten, erhöht aber den Bedarf an konformer Integration sowie Verwahrung.
Bitfire verfügt über SFC-Lizenzen der Typen 1, 4 und 9 sowie über eine Trust and Company Service Provider-Lizenz. Das verschafft dem Unternehmen in einem stark compliancegetriebenen Markt eine regulierte Ausgangsbasis, die für große globale Börsen schwieriger zu adressieren sein kann.
Die gestiegenen Aufwendungen für Beratung und F&E wirken wie Investitionen in Infrastruktur, um institutionelle Stablecoin-Nachfrage zu bedienen, die die langsame Emittenten-Rollout der HKMA derzeit noch nicht abdeckt. Beobachter verweisen zudem auf breitere HKMA-Initiativen zur Verschärfung der Regeln für Virtual-Asset-Händler und Custody-Anbieter parallel zur Stablecoin-Lizenzierung.
Zusätzlicher Kontext: Weng skizzierte am 21. Mai auf der 9. Jahreskonferenz des World Financial Forum eine Vision eines KI-integrierten Web3 und brachte sogar ein "Web4"-Konzept ins Spiel. Das unterstreicht, dass Bitfire seine Ambitionen über reinen Handel hinaus in Richtung der nächsten Generation digitaler Finanzinfrastruktur ausrichtet.
Fazit: Bitfire nimmt kurzfristig hohe Verluste in Kauf, um in regulierte Infrastruktur zu investieren und sich einen potenziell lukrativen institutionellen Stablecoin-Markt in Hongkong zu erschließen. Entscheidend wird sein, wie schnell sich das lokale Stablecoin-Ökosystem und das Lizenzregime weiterentwickeln.