Bitcoin-Treasury-Boom bröckelt: Unternehmen und Staaten verkaufen Bestände
Die Welle der Bitcoin-Käufe der vergangenen zwei Jahre bekommt Risse: Immer mehr Akteure trennen sich von ihren Beständen – ein ungünstiges Signal für den Markt. Börsennotierte Unternehmen, lange als besonders zähe Halter gesehen, verkaufen zunehmend Bitcoin, weil die anhaltende Kursschwäche Bilanzen und Strategiepläne belastet.
Empery Digital (EMPD) teilte am Mittwoch mit, 370 BTC zu einem Durchschnittspreis von 66.632 US-Dollar verkauft zu haben. Der Erlös lag bei 24,7 Mio. US-Dollar; verbleiben 2.989 BTC. Mit einem Teil der Mittel tilgte das Unternehmen seinen ausstehenden Terminkredit vollständig und löste zudem rund 1.800 BTC, die zuvor als Sicherheit hinterlegt waren. Empery Digital hatte seine Bitcoin-Treasury im Juli 2025 aufgebaut und zwischenzeitlich rund 4.000 BTC gehalten. Die Aktie liegt 75% unter dem Allzeithoch von 15,80 US-Dollar aus dem Jahr 2025.
Auch Genius Group (GNS), ein KI-gestütztes, bitcoinorientiertes Bildungsunternehmen, hat seine Position vollständig abgebaut. Nachdem im März des Vorjahres bis zu 440 BTC gehalten wurden, verkaufte das Unternehmen zuletzt die verbleibenden 84 BTC, um 8,5 Mio. US-Dollar Schulden zu tilgen. Man wolle den Aufbau der Bitcoin-Treasury wieder aufnehmen, sobald die Marktbedingungen als günstiger eingeschätzt werden.
Der Trend reicht bis zu großen Namen. Riot Platforms (RIOT), einer der größten börsennotierten Bitcoin-Miner in den USA, soll laut von Lookonchain ausgewerteten Blockchain-Daten ebenfalls verkauft haben. Demnach wurden am Mittwoch 500 BTC im Gegenwert von rund 34,13 Mio. US-Dollar bewegt – während Riot weiter auf seine Bitcoin-Reserven zurückgreift, um den Umbau in Richtung KI und High-Performance-Computing zu finanzieren. In den letzten beiden Monaten des Jahres 2025 hatte Riot Bitcoin im Wert von rund 200 Mio. US-Dollar veräußert. Anders als klassische Treasury-Strategien speiste sich der Bestand fortlaufend aus dem Mining; der Höchststand lag bei über 19.000 BTC. Aktuell werden rund 17.500 BTC gehalten.
Auch der Staat Bhutan reduziert seine Bitcoin-Bestände weiter. Insgesamt wurden demnach bereits 3.103 BTC verkauft. Allein eine Transaktion am 30. März habe 375 BTC liquidiert, wie Glassnode-Daten nahelegen. Bhutan hatte über mehrere Jahre über staatlich gestützte Mining-Aktivitäten Bestände aufgebaut und im Oktober 2024 einen Höchststand von über 13.000 BTC erreicht.
Für Bullen ist die Verkaufserie ein Dämpfer, doch die Bestände sind weiterhin erheblich: Börsennotierte Bitcoin-Treasury-Unternehmen halten laut BitcoinTreasuries.net zusammen rund 1.164.800 BTC – mehr als 5% des maximalen Gesamtangebots von 21 Mio. BTC. Bitcoin wurde zum Zeitpunkt der Berichterstattung laut CoinDesk bei etwa 66.500 US-Dollar gehandelt, gut 2% tiefer als seit 00:00 Uhr UTC.
Mehr dazu: MARA Holdings steigt um 10% nach dem Verkauf von Bitcoin im Wert von 1,1 Mrd. US-Dollar zur Finanzierung eines Schuldenrückkaufs.