Bitcoin-Core-Entwickler bringt Einfrieren von 5,6 Mio. BTC als Schutz vor Quantenangriffen ins Spiel

Der bekannte Bitcoin-Core-Entwickler Jameson Lopp würde nach eigenen Angaben lieber sehen, dass schätzungsweise 5,6 Millionen Bitcoin, die er für verloren hält, vom Netzwerk faktisch eingefroren werden, als dass sie eines Tages durch Quantenhacker wieder in Umlauf gelangen. Gegenüber CoinDesk sagte Lopp, er wolle zwar niemandem Bitcoin sperren, das Herausnehmen ruhender Bestände aus dem potenziellen Umlauf könne für die Netzwerksicherheit dennoch die weniger riskante Option sein. "Aktuell halte ich nichts davon für notwendig", betonte Lopp in dem Interview. Er denke lediglich "aus einer adversarialen Perspektive" über ein mögliches Zukunftsszenario nach. Sein Ziel sei, verlorene oder seit Langem inaktive Coins einem Angreifer zu entziehen, statt zuzulassen, dass sie an eine Partei fallen, "die sich wahrscheinlich kaum um das Ökosystem schert". Auslöser der aktuellen Debatte ist die am Dienstag veröffentlichte BIP361. Der Vorschlag von Lopp und weiteren Beteiligten skizziert, wie Bitcoins heutige kryptografische Signaturverfahren schrittweise abgelöst werden könnten. Langfristig könnten Transaktionen aus Wallets, die gegenüber Quantencomputern verwundbar sind, für ungültig erklärt werden. Vermögenswerte, die nicht rechtzeitig auf sichere Verfahren migrieren, würden dann unter Umständen eingefroren. Zum aktuellen Kurs beziffert Lopp den Wert der betroffenen ruhenden Bestände auf rund 420 Milliarden US-Dollar. In einem späteren Beitrag auf X schrieb Lopp, er möge den Vorschlag "nicht" und hoffe, dass er nie umgesetzt werden müsse. Es handele sich um eine "grobe Idee für einen Notfallplan" und nicht um eine ausformulierte Spezifikation. "Ich habe es geschrieben, weil mir die Alternative noch weniger gefällt", so Lopp. Im Angesicht einer existenziellen Bedrohung würden "individuelle ökonomische Anreize philosophische Prinzipien überwiegen". Lopp äußerte sich bereits früher kritisch zu einer Art "Quantum Recovery", die am Ende technologische Überlegenheit belohne statt produktiver Teilnahme am Netzwerk. "Quantum-Miner tauschen nichts", schrieb er. "Sie sind Vampire, die sich vom System ernähren." Nach Lopps Angaben sind rund 28% aller Bitcoin, also etwa 5,6 Millionen Token, seit mehr als einem Jahrzehnt nicht bewegt worden; er und andere Analysten halten sie für wahrscheinlich verloren. Sollten solche Bestände durch Fortschritte beim Quantencomputing wieder zugänglich werden, könnte das erhebliche Volatilität auslösen und das Vertrauen in das ursprüngliche Kryptonetzwerk untergraben. Auch wenn BIP361 noch in einer frühen Phase ist und es keinen Zeitplan für eine mögliche Umsetzung gibt, hat der Vorstoß eine heftige Kontroverse ausgelöst. Lopp versteht die Idee als Mittel, Nutzer zur Wallet-Modernisierung zu bewegen, bevor eine reale Gefahr entsteht. "Es geht nicht darum, irgendjemandes Bitcoin einzufrieren", sagte er. "Wir glauben, dass es nötig sein wird, das Ökosystem zum Upgrade zu motivieren, weil Menschen zur Prokrastination neigen." Jede Änderung müsste im dezentralen Netzwerk einen Konsens finden. Eine formale Abstimmung gibt es nicht, vergleichbare Upgrades erforderten in der Vergangenheit aber eine überwältigende Unterstützung der Miner, um aktiviert zu werden. Lopp sieht das größte Risiko weniger in einem möglichen Abverkauf als in einem Vertrauensschock. Zwar könnte ein plötzlicher Markteintritt von Millionen BTC starke Kursschwankungen auslösen. Entscheidend sei aber die Wahrnehmung: "Es braucht nicht einmal einen massiven Markt-Dump", sagte Lopp. "Wenn es glaubwürdige Hinweise gibt, dass irgendjemand die Fähigkeit hat, verlorene oder verwundbare Coins mit einem Quantencomputer wiederherzustellen, ist sofort mit einer massiven Panik am Markt zu rechnen." In einem solchen Szenario würden rationale Halter dem System vermutlich den Rücken kehren, bis klar sei, dass die Blockchain gegen diese Bedrohung abgesichert ist. Damit spitzt sich ein Grundkonflikt zu: Bitcoins Versprechen unveränderlicher, zensurresistenter Eigentumsrechte trifft auf den Anspruch, das Netzwerk gegen einen potenziellen Zukunftsschock zu verteidigen. Marktanalyst Mati Greenspan, Gründer von Quantum Economics, bezeichnete die Debatte als eher philosophisch denn technologisch. "Der Weg zur Quantenresistenz ist relativ klar", sagte er. "Die eigentliche Frage ist, wie die Bitcoin-Community unterwegs mit verwundbaren Coins umgeht." Ein Einfrieren ruhender Bestände wäre aus seiner Sicht ein deutlicher Bruch mit zentralen Prinzipien. "Einerseits könnte das Einfrieren ruhender oder exponierter Coins ein großes Tail-Risk entfernen und das Marktvertrauen schützen", so Greenspan. "Andererseits schafft es einen Präzedenzfall für Eingriffe, den viele für gefährlicher halten als die Bedrohung selbst." Ähnlich argumentiert Leo Fan, Gründer von Cysic und früherer Verantwortlicher für Quantenresilienz bei Algorand. Ein Einfrieren gefährde fundamentale Zusagen: "Eigentum wird bedingt. Schlüssel zu besitzen garantiert nicht mehr, dass man ausgeben kann", sagte Fan. "Das schwächt Bitcoins Versprechen von 'unstoppable money'." Auch wenn er das Einfrieren ablehnt, räumte Fan ein, dass das Entfernen von Millionen Bitcoin aus dem Umlauf das Angebot verknappen und den Wert potenziell erhöhen könnte.